Praxissemester im Land der aufgehenden Sonne
Leben und Lernen in einem Land zwischen Mythos und Moderne
 

aus Reis, Suppe und wechselnder Beilage, zumeist Fisch, Gemüse manchmal auch etwas Fleisch. Statt diesem Menü konnte man aber täglich noch zwischen "Curry-Rice" oder drei verschiedenen Nudelsuppen wählen. Auch diese Nudelsuppen ißt man übrigens mit Stäbchen! Man fischt damit die langen Nudeln heraus, um diese dann regelrecht "einzuschlürfen". Die Suppe selbst trinkt man schließlich aus, indem man den hohen Suppenteller ansetzt. Gegen drei Uhr gab es nochmals eine fünfminütige Pause, bei der wir grünen Tee tranken. Vorher wurden noch Anleitungen zu Lockerungsübungen mit Musikuntermalung über Lautsprecher eingespielt, doch dazu ließ sich kaum jemand in der Abteilung animieren. Die vorgegebene Arbeitszeit ging normalerweise bis 17:15Uhr, man blieb dann aber mindestens noch eine Viertelstunde, um den Tag langsam ausklingen zu lasssen. Jeden Freitag fegt man übrigens gemeinsam den Boden der Abteilung aus. Die meisten leisten nach der viertelstündigen Pause noch Überstunden, wobei die Dauer dieser Mehrarbeit außer von der Dringlichkeit des Projektes auch noch von der Stellung abhängig ist. So ist es undenkbar, daß ein Vorgesetzter vor seinen Untergebenen nach Hause geht. Nach getaner Arbeit ging ich des öfteren mit den Kollegen Essen. Gelegentlich veranstaltete die ganze Abteilung eine Party- es findet sich immer ein passender Anlaß dafür. Beispielsweise Begrüßungspartys, Abschiedspartys und solche anläßlich bestimmter jahreszeitlicher Ereignisse, wobei mir hier vor allem das Kirschblütenfest unter einem blühenden Kirschbaum ("Ohanami") in besonders schöner Erinnerung ist.

 
Bei so einer Party darf natürlich nach reichhaltigem Essen sowie viel Bier und Reiswein auch Karaoke nicht fehlen. Und so "durfte" ich dann gleich in der ersten Woche Elvis-Presley Lieder schmettern. In Japan ist die mit Kollegen gemeinsam verbrachte Freizeit ein wichtiges Element zur Förderung des Gruppenzusammen-gehörigkeitsgefühls. Am Wochenende haben wir beispielsweise einige Sight-seeingtouren in die weitere Umgebung unternommen. Auch galt es natürlich, sowohl die alten als auch die neuen Sehenswürdigkeiten von Tokio zu betrachten, wo ich mich an vielen Wochenenden aufhielt. Selbstverständlich durfte während dieser 6 Monate mein Hobby Amateurfunk nicht ruhen, weshalb ich für Japan eine Gastlizenz beantragt hatte. Da man mir ein Mountainbike lieh, konnte ich überdies bei einigen Radtouren die nähere Umgebung erkunden. In meinem einwöchigen Urlaub bin ich mit dem Shinkansen nach Südjapan gefahren, um die kulturelle Hauptstadt Kyoto und auch Nara zu besuchen. Doch ich konnte nicht nur als Tourist im Lande herumreisen, sondern auch geschäftlich auf Fachmessen und bei Firmenbesuchen die japanischen Geschäfts-methoden erleben. Mein Projekt konnte ich rechtzeitig mit Erfolg abschließen und am 1.September hieß es dann Abschied nehmen. Rückblickend kann ich sagen, daß mich die dort gesammelten Erfahrungen fachlich wie persönlich weitergebracht haben. Vielleicht ergibt sich irgendwann noch einmal die Gelegenheit nach Japan zu kommen. Sayonara !

Axel Schwab

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